Unternehmenskultur und digitale Transformation

Unternehmenskultur und digitale Transformation haben eine Menge miteinander zu tun.

Es ist keine Frage des technischen Know-Hows, sondern eine Frage der Führung. (siehe Bosch u.a. in Digital Offroad) Ein überzeugendes Führungskonzept ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine gelungene digitale Transformation. Das deckt sich ebenso mit meinen Erfahrungen.

Wenn die Autoren plakativ schreiben „Eine Unternehmenskultur ist kein Wunschkonzert, sondern eine Grundsatzentscheidung“, dann ist das zunächst einmal eine starke Aussage.

Das trifft den Nagel aber nur zum Teil. Es klingt so, als ob man sich für eine Unternehmens­kultur entscheiden könnte. Das kann man eben nicht.

Jedes Unternehmen hat eine Unternehmenskultur – ob man will oder nicht. Sobald Menschen in Organisationen zusammentreffen und an einer Aufgabe gemeinsam arbeiten, haben sie eine Unternehmenskultur – wie auch immer diese sein mag. „Man kann nicht nicht kommunizieren“, das bewies Paul Watzlawick schon vor Jahrzehnten. Im Umkehrschluss bedeutet das, man gestaltet die Unternehmenskultur tagtäglich, ob man will oder nicht.

So ist man gut beraten, die Unternehmenskultur nicht sich selbst zu überlassen, sondern möglichst konstruktiv darin mitzuwirken. Übrigens erwarten das auch die Mitarbeiter.

So ergab die Gallup-Studie „Engagement Index“, dass sich nur jeder fünfte Arbeitnehmer durch seinen Chef so motiviert fühlt, um hervorragende Arbeit zu leisten. Hohe Fehlzeiten und niedrige Produktivität aufgrund mangelnder Motivation führen zu gravierenden Einbußen. Die Verluste beziffert die Studie auf rd. 105 Milliarden Gewinne, die den deutschen Unternehmen entgehen, weil Führungskräfte es nicht verstehen, ihre Mitarbeiter richtig zu motivieren.

Was hat jetzt Unternehmenskultur mit Digitalisierung zu tun?

Digitalisierung ist ein Prozess, in dem viele Arbeitsschritte an die Technik übertragen werden, es wird automatisiert, neu strukturiert, und alles zusammen führt zur Unsicherheit. Menschen, deren Arbeitgeber eine Digitalisierungsoffensive gestartet hat, wissen oft nicht, wie ihr Arbeitsplatz morgen aussehen wird, oder ob sie überhaupt morgen noch einen haben. Diese Unsicherheit kann man nicht mit überbetonter Technikfokussierung übergehen. Man muss die Menschen mitnehmen. Spätestens jetzt stellt sich die Frage nach der Unternehmenskultur:

In welcher Unternehmenskultur geschieht Digitalisierung?

Unsicherheit geht mit unangenehmen Gefühlen einher. Also braucht es einer Führungskraft, die sich den Fragen der Mitarbeiter stellt, einer Führungskraft, die mit Transparenz glänzt, die Bedenken wie auch Ängste auffängt, ohne zu beschwichtigen, vielmehr mehr mit unterstützender Präsenz das ganze Team mitnimmt und den Prozess mitgestaltet. Eine gute Führungskraft stellt Vertrauen her, indem sie genau darüber informiert, was sie in Zukunft erwartet. Sie fördert und fordert die Mitarbeiter, gibt immer ihr Bestes und geht mit gutem Beispiel voran. Ein hierarchisch steuernder Chef ist out.

Vertrauenskultur ist in der neuen Unternehmenskultur der erste Erfolgsgarant.

Gefordert ist heute ein/e Chef/ in, der/ die kooperiert, sein/ ihr Team fördert, sich selbst als Teil des Teams begreift, also auch selbst zum Dienen bereit ist und der/die kollektive Intelligenz fördert. Das beinhaltet auch die Möglichkeit, sich selbst mal im Projekt zurückzunehmen und die Projektleitung an jemanden weiter zu geben, der/die dafür fachlich bestens geeignet ist. Auch das entscheidet man/ frau nicht für sich, sondern gemeinsam mit dem ganzen Team.

Das erfordert Kooperationsfähigkeit, den Willen zur agilen Führung, Mut zur Lücke, eine gesunde Fehlertoleranz und nicht zuletzt: ein Chef/ eine Chefin darf auch mal Fehler machen. Eine Unternehmenskultur mit Fehlertoleranz hilft immens.

Die Ergebnisse der Studie zeigten außerdem, dass besonders Berufseinsteiger auf Werte und Unternehmenskultur achten. Will man Talente gewinnen, braucht man eine motivierende und wohlwollende Unternehmenskultur.

Eine bewusst gestaltete Unternehmenskultur ist die beste Startposition für herausragende Erfolge. 

Besonders komplexe Prozesse, wie die Digitalisierung, erfordern viel Fingerspitzengefühl für die Unternehmenskultur – zunächst einmal wie sie ist. Im zweiten Schritt sollte man sich tunlichst darum bemühen, eine inspirierende, auf Vertrauen basierende und transparente Unternehmenskultur einzuführen und zu pflegen. Bis hierhin werden Sie diese Kriterien der Unternehmenskultur noch bei jedem Unternehmen feststellen, das überdurchschnittliche Erfolge aufweist. Das gilt auch für Prozesse der Digitalisierung.

Quellen: Bosch, Hentschel u.a. in Digital Offroad https://bit.ly/2HmH65y

Gallup-Engagement Index: https://bit.ly/2uuLQgr

für herausragende Erfolge.

Digitale Transformation und transparente Unternehmenskultur